Wenn es nach Gesundheitsminister Jens Spahn ginge, sollten schon Kinder mit dem Thema Organspende konfrontiert werden. Denn Deutschland hat ein Problem: Sehr wenig Organspender stehen sehr langen Wartelisten gegen√ľber. W√§hrend 2017 nur 769 Deutsche ein Organ spendeten, starben t√§glich drei Patienten, die auf eine lebensnotwendige Organspende warteten. Um mehr Deutsche zur Organspende zu motivieren, schl√§gt Gesundheitsminister Jens Spahn nun vor, die Thematik in Lehrpl√§ne aufzunehmen. Denn die geringe Zahl der Spender*innen ist auch darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass viele Menschen sich schlichtweg nicht mit Entscheidung befassen, ob sie nach ihrem Tod Organe spenden wollen.

Was ist eine Organspende?  

Nicht jeder Verstorbene kann automatisch seine Organe spenden. Voraussetzung ist , dass der Hirntod festgestellt wurde und die weiteren Organe nicht gesch√§digt sind. Zwei erfahrene √Ąrzte oder √Ąrztinnen m√ľssen unabh√§ngig voneinander bezeugen, dass keine Aktivit√§t im Gehirn mehr zu verzeichnen ist. Daraufhin muss noch ausgeschlossen werden, dass der potentielle Spender oder die Spenderin Infektionen hat oder an Krebs leidet und dies somit an die Organempf√§nger weitergeben k√∂nnte. Erst nach Ausschluss dieser Kriterien k√∂nnen die Organe f√ľr die Patienten auf den Wartelisten freigegeben werden.

Wie kann ich meine Organe spenden? 

Schon im Alter von 14 Jahren kann man einer Gewebespende zustimmen oder dieser widersprechen. Mit 16 Jahren ist es m√∂glich, dies auch f√ľr die Organspende zu tun. Um seine Organe oder sein Gewebe spenden zu k√∂nnen, gibt es kein H√∂chstalter – das hei√üt, auch Senioren k√∂nnen ihre Organe spenden, solange sie gesund sind.¬†¬†¬†

Zuallererst muss man sich Gedanken dar√ľber machen, ob man seine Organe spenden m√∂chte und wenn ja, welche das sein sollen. Man kann einer gesamten Organspende zustimmen, der Spende einzelner Organe widersprechen oder sich ganz gegen eine Spende entscheiden. Wenn man nicht selber entscheiden m√∂chte, kann auch eine Person angegeben werden, die diese Entscheidung nach dem festgestellten Hirntod treffen soll.¬†¬†¬†

Es ist wichtig, diese Entscheidung auf einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverf√ľgung zu dokumentieren, damit es im Ernstfall unmissverst√§ndlich ist und schnell gehandelt kann. Auch wenn man sich gegen die Organspende entscheidet, sollte dies dokumentiert sein. Liegt kein Ausweis und keine Patientenverf√ľgung vor, werden die Angeh√∂rigen nach dem mutma√ülichen Willen des Patienten oder der Patientin befragt. Ist dieser nicht ausreichend festzustellen, d√ľrfen keine Organe entnommen werden. Deswegen ist es hilfreich, seinen eigenen Willen zu dokumentieren – so werden Angeh√∂rige entlastet und es wird nach der eigenen Entscheidung gehandelt. Falls man sich noch einmal umentscheidet, kann man einfach den Organspendeausweis oder die Patientenverf√ľgung erneuern.¬†¬†

Wie ist die aktuelle Situation in Deutschland?   

Erst k√ľrzlich sorgte Spahn mit seinem Vorschlag f√ľr Aufsehen, auch in Deutschland eine sogenannte Widerspruchsl√∂sung einzuf√ľhren. Demnach w√§r jeder Deutsche von Geburt an Organspender – solange, bis er ausdr√ľcklich widerspricht. In einigen Nachbarl√§ndern hat sich diese Regelung bereits bew√§hrt und beispielsweise Spanien verzeichnet weitaus mehr Organspenden als hierzulande. Oft missverstanden wird, dass das Gesetz nicht zur Organspende zwingt – doch aber dazu, eine Entscheidung zu treffen. Manch einer empfindet dies als Eingriff in das Selbstverf√ľgungsrecht √ľber die eigenen Organe. Ob dieser Gesetzentwurf aber mit Hinblick auf den akuten Spendermangel ratsam ist, wird derzeit diskutiert.¬†

Die Niere ist das Organ, das in Deutschland am h√§ufigsten ben√∂tigt wird. Momentan kommen auf 2.000 transplantierte Nieren deutschlandweit ungef√§hr 7.500 Patienten und Patientinnen, die auf der Warteliste stehen. Diese m√ľssen meist mindestens 6 Jahre auf eine neue Niere warten. Auch andere Organe wie das Herz, die Lunge, die Leber, die Bauchspeicheldr√ľse und der D√ľnndarm k√∂nnen gespendet werden – grunds√§tzlich ist es aber so, dass es mehr Organe ben√∂tigt werden, als es Spender*innen gibt.¬†¬†

Fest steht also, dass dringend mehr Spender*innen gebraucht werden. Da das Mindestalter f√ľr eine Organspende 16 Jahre ist, k√∂nnte es durchaus sinnvoll sein, Kinder schon fr√ľh dar√ľber aufzukl√§ren und ein Bewusstsein f√ľr den Spendermangel zu generieren. Hierdurch k√∂nnte verhindert werden, dass aufgrund von Ignoranz oder Nichtwissen potentielle Spender*innen verloren gehen.

 

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