In Deutschland wuchsen 2019 insgesamt 2,2 Millionen minderjährige Kinder in einer Ein-Eltern-Familie auf. Die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung „Alleinerziehende weiter unter Druck“ zeigt, dass dieser Umstand problembehaftet ist. 

Demnach ist das Risiko in Armut zu leben für alleinerziehende Familien höher als bei jeder anderen Familienform. So gelten 43 Prozent der Ein-Eltern-Familien als einkommensarm. In Deutschland sind dabei deutlich mehr Mütter (88 Prozent) als Väter (12 Prozent) alleinerziehend – Mütter sind also überproportional betroffen. Das Armutsrisiko ist jedoch nicht – wie oft fälschlich angenommen wird – mit einer geringeren Beschäftigungsrate zu begründen. Ganz im Gegenteil, alleinerziehende Mütter gehen in der Regel sogar häufiger einer Beschäftigung nach als Mütter mit einem Partner*in.   

„Meine Mama hatte zwei Jobs, beide in der Pflege, und doch sollte das Geld nicht reichen. Eine Wohnung zu finden ist schwer genug, doch mit einem begrenzten Budget umso härter. Die Angst, auf der Straße zu leben, war zum ersten Mal zum Greifen nahe. Wieso wird Alleinerziehenden nicht geholfen? Wieso muss meine Mutter sich bis zum Burnout abrackern? Um sich und ihrer Tochter eine Unterkunft bieten zu können?“  

(Zitat einer betroffenen Person; Lenze et al. 2021, S. 9) 

Alleinerziehende leisten in ihrem Alltag viel 

Sie sorgen meistens allein für ihre Kinder, übernehmen Verantwortung, sind erwerbstätig und managen den gesamten Haushalt alleine. Hinzu kommen die aktuellen Belastungen durch die Corona-Pandemie: Schulen, Kitas und Vereine sind bzw. waren lange Zeit geschlossen – es fehlen Entlastungsangebote. Die verhinderten sozialen Kontakte der Kinder und Jugendliche sind ein weiteres Problem. Alles in allem leisten Alleinerziehende nicht selten ein Arbeitspensum, das für eine Person alleine durchaus als gesundheitsgefährdend eingestuft werden kann. 

Reformvorschläge 

Um das Armutsrisiko von Alleinerziehenden langfristig senken zu können, stellt die Bertelsmann-Stiftung verschiedene Reformvorschläge vor: 

Da wäre zum einen ein leicht zu beantragendes “Teilhabegeld” bzw. eine “Kindersicherung”. Auf diese Weise sollen die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen umfänglich gesichert werden:  

Das Teilhabegeld ist eine neu einzuführende, steuerfinanzierte Leistung für Kinder und Jugendliche, die die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen umfänglich sicherstellen soll. Sie wird mit dem Einkommen der Eltern abgeschmolzen und vermeidet so gezielt Kinderarmut, die besonders Kinder aus Ein-Eltern-Familien betrifft. Das Teilhabegeld ersetzt bestehende Leistungen, wie die SGB II-Leistungen für Kinder, das Kindergeld, den Kinderzuschlag, und die Leistungen für Bildung und Teilhabe” (Lenze, 2021, S. 57). 

Ein weiterer Vorschlag ist, das Unterhaltsrecht um einen “Grundsatz familiärer Solidarität nach Trennung” zu ergänzen. Denn in vielen Paarfamilien wird noch immer nach der Geburt des ersten Kindes eine Teilung der Arbeit durchgeführt. So ist oft eine Partner*in weiterhin vollzeitig erwerbstätig (meistens der Vater) – wo hingegen der andere Elternteil die Erwerbstätigkeit pausiert (meistens die Mutter). Durch den neuen Grundsatz soll verhindert werden, dass Mütter diejenigen sind, die die negativen Folgen einer Trennung alleine zu tragen haben. 

Auch empfohlen wird der Ausbau der Bildungs- und Betreuungsstruktur sowie neue Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung. Durch Möglichkeiten wie beispielsweise flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Angeboten soll eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erzielt werden. 

Ferner macht die Bertelsmann Stiftung darauf aufmerksam, dass zukünftig weitere Forschung sowie kreative Möglichkeiten zur Erholung generiert werden müssen, um die gesundheitlichen und psychischen Belastungen der Corona-Pandemie ausbalancieren zu können. 

 

Hier geht es zur Studie: 

https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/alleinerziehende-weiter-unter-druck 

 

Verweise: 

Lenze A. (2021). Alleinerziehende weiter unter Druck. Bedarfe, rechtliche Regelungen und Reformansätze. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.).  

Lenze, A., Funcke A. & Menne S (2021). Alleinerziehende in Deutschland. Das Wichtigste in Kürze. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). 

ÜBER DAS KRF

Das KRF ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Köln und setzt sich seit 2014 für die Verwirklichung von Kinderrechten ein. Der Fokus liegt dabei auf den Themen Demokratie, Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.  

Verfasserin

Carlotta Mobis

Fachbereich Lobbyarbeit  
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