Ein Thema ist in den Nachrichten aktuell präsent wie kaum ein anderes: Die Enthüllung interner Facebook-Dokumente durch die Whistleblowerin (dt. jemand der Geheimnisse enthüllt) Frances Haugen. Die Amerikanerin war zwei Jahre lang Managerin beim größten Social-Media-Konzern der Welt und beschuldigt diesen nun, das Wohl der Nutzer hinter eigene Profite zu stellen. 

Eines der veröffentlichten Dokumente ist besonders prägnant: Es handelt sich um eine Studie, die Facebook zuvor selbst durchgeführt hatte, um die Auswirkungen der konzerneigenen Plattform „Instagram“ auf junge Menschen zu untersuchen. Ein Ergebnis besagt, dass besonders junge Mädchen unter den auf Instagram beworbenen und durch den Algorithmus unterstützten Körperbildern leiden. Insgesamt jedes dritte Mädchen im Teenager-Alter habe der Untersuchung nach das Risiko, ein verzerrtes Körperbild wahrzunehmen. Konkret bedeutet das: Instagram zeigt den Usern bevorzugt Fotos mit eher dünnen und trainierten Menschen an. Diese sind nicht selten auch aufwendig bearbeitet, um eine noch eindrucksvollere Wirkung zu erzeugen. Auf diese Weise wird kontinuierlich versucht, die Reichweite des Kanals zu steigern.  

Viele der Nutzer*innen wissen dabei nicht, dass die meisten Influencer ihre Bilder nachträglich bearbeiten, um noch dünner und trainierter zu wirken. Dadurch bekommen Nutzer*innen immer wieder das Gefühl, ihr Körper entspräche nicht dem Normalzustand oder dem gängigen Schönheitsideal. Die akuten Folgen dieser Entwicklung reichen deshalb häufig von Essstörungen über psychische Erkrankungen bis zu Suizidgedanken.

Facebook nehme – so der Meinung von Frances Haugen zufolge – diese Probleme billigend in Kauf. Ähnliche Vorwürfe wurden auch bereits gegen den Facebook-Konkurrenten TikTok erhoben, eine Social Media-Plattform, auf der vor allem junge Menschen Kurzvideos teilen, auf denen sie zu Musik tanzen oder lustige Szenen darstellen. Obwohl das erstmal nach viel Kreativität von und für junge Menschen klingt, wurde TikTok zum Beispiel in Indien sogar komplett verboten. Der Grund hier: Junge Nutzer*innen würden durch den Algorithmus dazu angestiftet, pornografische Inhalte zu publizieren, was zum einen in die Privatsphäre junger Menschen eingreife, als auch eine Gefahr für Verbrechen im Zusammenhang mit Pädophilie darstelle. Weltweit nutzen auch Pornodarsteller*innen TikTok um Reichweite für ihre Filme und Clips zu generieren. Dabei sind circa 30% aller Nutzer*innen der Plattform unter 18. 

Die Kritik an den Social Media-Plattformen stößt allerdings auf Unverständnis beim Betreiber. Facebook-Chef Mark Zuckerberg reagierte einige Tage nach der Veröffentlichung der Dokumente mit einem öffentlichen Statement: Die Anschuldigungen seien nicht wahr und Facebook habe in der Vergangenheit bereits Funktionen auf den Plattformen eingeführt, die Nutzern mehr Inhalte von Freunden/Familie anzeigen. Dadurch würden Nutzer weniger Zeit auf dem Kanal verbringen und Facebook somit nicht die höchstmöglichen Gewinne einfahren.  

Dokumente aus internen Chats von Facebook-Mitarbeitern zeigen allerdings, dass Ideen und Konzepte um Facebook sicherer und kinderfreundlicher zu machen von der Geschäftsführung abgelehnt wurden. Der US-Senat will sich in den kommenden Tagen mit den Anschuldigungen auseinandersetzen. 

Schon vor den schweren Anschuldigungen der Whistleblowerin haben wir beim KRF das Thema soziale Netzwerke und deren negative Folgen untersucht. Um junge Menschen besser auf die Gefahren im Netz, ihre Selbstwahrnehmung durch soziale Netzwerke und mögliche Manipulationen durch Influencer aufzuklären, haben wir die Kampagne #behindthefilter entwickelt, die ab Januar auf unseren Kanälen und in Form von Workshops an Jugendeinrichtungen stattfinden wird.  Dort zeigen wir auf, was wirklich auf den sozialen Netzwerken los ist und was dies für Konsequenzen haben kann.  Mehr Infos dazu findest Du hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ÜBER DAS KRF

Das KRF ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Köln und setzt sich seit 2014 für die Verwirklichung von Kinderrechten ein. Der Fokus liegt dabei auf den Themen Demokratie, Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.  

Verfasser

Nicolas Linder

Fachbereich Kommunikation & Information
Telefon: 0221/999871-17
E-Mail: projekte@kinderrechteforum.org