Melissa* sucht dringend Hilfe. Ihre Freund*innen haben sich von ihr abgewendet, mobben sie sogar. Sie ist oft traurig und hat den Spaß an Dingen verloren, die ihr früher viel bedeutet haben. Weil sie nicht mehr weiterweiß, wendet sie sich via Instagram Direct Message an helpando – und landet damit in der digitalen Ombudsstelle.

Mit helpando ist im Februar Deutschlands erste digitale Ombudsstelle für Kinderrechte online gegangen. Die Hilfeplattform richtet sich explizit an Kinder und Jugendliche und ist deshalb vor allem über die Website, aber auch über WhatsApp, Instagram Messenger und E-Mail erreichbar. Dieser niedrigschwellige Zugang macht sich bezahlt. So erreichen das helpando Hilfe-Team regelmäßig Anfragen über WhatsApp und auch via Instagram – wie eben auch in Melissas Fall. Sie meldet sich, da sie viele Probleme hat, mit denen sie alleine nicht mehr umgehen kann und sich Hilfe wünscht.

Melissa: eine Geschichte, wie sie viele Jugendliche selbst erlebt haben

Es fing alles damit an, dass sie sich immer mehr von ihren Freund*innen entfernte, weil sie selbst merkte, dass diese Personen ihr nicht guttun. Sie ist dadurch jeden Tag nur noch zu Hause und hat auch auf nichts mehr Lust. In dieser Zeit hat sie zusätzlich ihren Freund verloren. Dies ist zwar bereits eineinhalb Jahre her, aber sie kann ihn immer noch nicht vergessen. Sie weint auch oft noch wegen ihm. Vor ein paar Tagen hat zudem auch noch ihre beste Freundin den Kontakt zu ihr abgebrochen. Nun hat sie niemanden mehr.

Melissa geht weiterhin in die Schule, auch wenn es ihr schwerfällt. Wenn sie nach der Schule nach Hause kommt, macht sie nichts mehr. Sie liegt meistens im Bett und weint auch oft sehr lange. Am nächsten Morgen hat sie dann kaum Kraft, in die Schule zu gehen, weil sie weiß, dass es dort nicht besser wird.

Mobbing führt oft zu Selbsthass

Sie wird gemobbt und ihre Mitschüler*innen beleidigen sie mit unangebrachten Kommentaren – vor allem zu ihrem Aussehen: „Iss mal mehr!“, „Du bist wie ein Stock!“, „Du bist viel zu dünn, das ist hässlich.“ Melissa ist deshalb zunehmend unzufrieden mit sich selbst. Sie findet sich viel zu dünn und auch hässlich. Außerdem fängt sie an, sich selbst zu hassen. Sie fühlt sich anders und nutzlos, da keine*r mehr etwas mit ihr zu tun haben möchte. Aufgrund der Vorkommnisse hat sie kein Selbstbewusstsein mehr. Da sie niemanden mehr hat, kann sie auch mit niemanden mehr darüber reden.

Durch die Ereignisse hat sie den Spaß an ihren Hobbies verloren und möchte nach der Schule nichts mehr machen. Früher spielte sie Geige und vor einiger Zeit ist sie geritten. Mit dem Reiten musste sie aufgrund gesundheitlicher Probleme pausieren. Nun dürfte sie wieder starten. Sie belastet jedoch zusätzlich, dass das Pferd, zu dem sie einen so großen Bezug hatte, verstorben ist.

helpando ist zur Stelle: Diese Hilfe bekommt Melissa

Wichtig ist, Melissa zu vermitteln, dass sie nicht alleine ist – auch, wenn sie sich derzeit so fühlt. Sie kann jederzeit mit helpando reden oder schreiben. Hier hört ihr immer jemand zu. Zudem gibt es zahlreiche weitere Kinder, die genauso fühlen und denken wie sie. Leider ist dies keine Seltenheit. Die Schulzeit ist für viele Kinder und Jugendliche keine einfache Zeit.

Das helpando-Team versucht deshalb, Melissa zu vermitteln, dass die erlebte Situation nicht an ihr liegt. Es gibt nicht den einen perfekten Körper, jeder Mensch ist unterschiedlich und individuell und das ist auch gut so. Menschen, die über andere lästern und gemeine Kommentare äußern, sind oft selbst nicht mit sich zufrieden. Indem sie negativ über andere reden, fühlen sie sich besser. Leider wissen sie oft nicht, dass ihr Verhalten verletzend sein kann.

Mit Mobbing gezielt umgehen

Das helpando-Team schlägt Melissa vor, bei gemeinen Kommentaren betont selbstbewusst zu begegnen, dass die Kommentare sie nicht stören, sie aber mit solchen Äußerungen vorsichtig sein sollen, weil es Menschen verletzten könnte. Getreu dem Motto: Sie wollen ja auch nicht, dass andere Personen sie verletzen. Ein selbstbewusstes Entgegnen überrascht und stört mobbende Personen. Sie mobben daher oft gezielt Menschen, die nicht selbstbewusst sind, weil sie wissen, dass diese sich kaum wehren.

Da Melissa den Spaß an allem verloren hat und nach der Schule nichts mehr macht, rät helpando ihr, den Blick wieder auf etwas zu lenken, was ihr Spaß gemacht hat. Daran anknüpfend wird versucht, sie wieder zu Aktivitäten zu bewegen. Beispielsweise habe Melissa früher gerne Geige gespielt. Vielleicht wäre es für sie schön, sich wieder mit dem Instrument und der Musik zu beschäftigen. Das würde sie von weiteren Gedanken ablenken und sie hätte wieder etwas Sinnvolles zu tun, das ihr Spaß bereitet.

Blick Richtung Zukunft: neue Erinnerungen und Freundschaften kreieren

Ein anderer Anknüpfungspunkt ist das Reiten: Pferde mag Melissa sehr und bei ihnen fühlt sie sich gut. Dort kann sie sein, wie sie ist. Da sie gesundheitlich wieder fit ist, bestärkt helpando sie darin, wieder mit dem Reiten zu beginnen. Die Trauer um ihr liebstes Pferd solle sie daran nicht hindern. Sie lernt, dass die Trauer bei einem Verlust wichtig ist, sie aber glücklich sein darf, dass sie so wundervolle Momente mit dem Tier erleben durfte. Sie wird darin bestärkt, dass sie auch mit einem anderen Pferd neue tolle Erinnerungen sammeln kann. Sie muss auch nicht direkt wieder mit dem Reiten anfangen, anfängliche Besuche auf dem Reiterhof können auch bereits wohltuend sein. Auf dem Reiterhof könnte sie auch neue Freundschaften schließen. Jugendliche, die sich dort aufhalten, lieben Pferde genauso wie sie und das könnte für eine Verbindung sorgen.

Für eine weitere Betreuung hat helpando Melissa zusätzlich geraten, professionelle Hilfe zu suchen. Ein*e Therapeut*in könnte sie auf ihrem Weg begleiten und sie unterstützen, wieder selbstbewusster zu werden. Dafür erhält sie entsprechende Kontakte in ihrer Umgebung, damit sie nicht eigenständig suchen muss. Natürlich kann sie sich aber jederzeit wieder bei helpando melden, wenn es ihr nicht gut geht und ihr Recht auf Gleichheit oder ihr Recht auf Gewaltfreiheit verletzt wird.

 *Der Name wurde zum Schutz der Person geändert.

ÜBER DAS KRF

Das KRF ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Köln und setzt sich seit 2014 für die Verwirklichung von Kinderrechten ein. Der Fokus liegt dabei auf den Themen Demokratie, Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.  

Verfasserin

Julia Häusler

Psychologische Beratung

Fachbereich Recht & Inhalte

Telefon: 0221/98253-157
E-Mail: ombudsstelle@kinderrechteforum.org