Die politische Entwicklung in Afghanistan ist alarmierend. Kinder trifft die jüngste Entwicklung besonders schwer. In dem Land, das mit rund 33 Millionen Einwohnern knapp doppelt so groß wie Deutschland ist, sind die Lebensbedingungen mit einer der schlimmsten weltweit. Die Lebenserwartung liegt bei unter 65 Jahren. Die Kindersterblichkeit ist mit knapp über 60 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (statista 2021) einer der höchsten der Welt. 

Die politischen Verflechtungen zu umreißen, ist für einen besseren Überblick und ein näheres Verständnis der durchaus komplizierten Situation unerlässlich (Spanta 2019; Schetter 2017, Bayly 2021). Doch fernab der schon seit langer Zeit andauernden Konflikte und der sich seit Jahrzehnten nicht bessernden Lage geht es Kindern mitunter nach wie vor am schlechtesten. Sie leiden Hunger, müssen oft gefährliche und schwerste körperliche Arbeit leisten, erfahren so gut wie keine Kindheit und wachsen in lebensunwürdigen Bedingungen auf. 

Die politische Entwicklung in Afghanistan ist alarmierend. Kinder trifft die jüngste Entwicklung besonders schwer. In dem Land, das mit rund 33 Millionen Einwohnern knapp doppelt so groß wie Deutschland ist, sind die Lebensbedingungen mit einer der schlimmsten weltweit. Die Lebenserwartung liegt bei unter 65 Jahren. Die Kindersterblichkeit ist mit knapp über 60 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (statista 2021) einer der höchsten der Welt. 

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11.09.2001 erklärten die USA den “Krieg gegen den Terror” und machten sich zum Ziel, diejenigen zu bekämpfen, die für jene Anschläge verantwortlich waren, allen voran die al-Qaida und die Taliban. Im Zuge der Bekämpfung dieser terroristischen Vereinigungen intervenierte eine US geführte Militärkoalition in Afghanistan. Zudem wurden dort NATO-Truppen stationiert. 

Neben der Bekämpfung von Terrorismus, welcher noch immer stark die heimische Bevölkerung Afghanistans bedroht, setzten sich verschiedenste Nichtregierungsorganisationen für die Hilfe der afghanischen Bevölkerung und dem Aufbau des Landes ein. Über die letzten Jahre konnte jedoch beobachtet werden, dass die Lage durch die abnehmende Präsenz externer Soldaten und dem damit einhergehenden Erstarken der Taliban einen bremsenden Effekt auf die Arbeit der in Afghanistan tätigen Nichtregierungsorganisationen hatte. 

Schon seit Ende der 1970er-Jahre, weit vor der NATO-Intervention, bestehen in Afghanistan Konflikte und Probleme, die die Entwicklung lebenswürdiger, partizipativer und demokratischer Rahmenbedingungen verhindern. 

Die Indizes “Human Developement Index” (HDI), “Fragile State Index” (FSI), “KidsRights Index” (KRI) und der “Realization of Children’s Rights Index” (RCRI) helfen, einen Überblick über die Lage bezüglich der Realisierung der Menschenrechte, Kinderrechte, Frauen- und Freiheitsrechte zu verschaffen. Dabei trägt jeder Index für sich mehrere Variablen zu einem Gesamtschnitt zusammen, an dem sich gemessen zu anderen Ländern vergleichen lässt, wie es um die politische, zu Teilen auch wirtschaftliche Lage bestellt ist. 

Für Afghanistan stellt der HDI für das Jahr 2019 den Score 0,511 fest, womit gerade einmal der 169te Platz von 189 erreicht wird. Damit belegt Afghanistan wiederholt einen der schlechtesten Werte im Vergleich zu allen anderen Staaten, die der Index über den Entwicklungsstand eines Landes aus den drei Komponenten: Lebenserwartung, Ausbildung und Kaufkraft untersucht. 

Der FSI, welcher anhand politischer, ökonomischer und sozialer Kriterien die Stabilität bzw. Fragilität, d.h. die Verwundbarkeit von Staaten und das Risiko eines Staatszerfalls in einem Ranking zum Ausdruck bringt, bewertet Afghanistan für das Jahr 2020 mit einem Wert von 102.90. Auch hier belegt Afghanistan einen der letzteren Plätze aller aufgeführten Staaten. 

Mit einem Wert von 19,8 bewertet der KRI die Lage der Kinderrechte in Afghanistan für das Jahr 2021. Demnach herrschen in Afghanistan die zweitschlechtesten Bedingungen bezüglich Kinderrechte weltweit. 

Der RCRI schreibt Afghanistan den Wert 1,49 zu (im Vergleich: Deutschland erzielt den Wert 9,12). Afghanistan belegt auch hier einen der letzten, sogar den drittletzten Platz. 

Mit dem gewaltsamen Umsturz der Regierung und der Machtübernahme der Taliban steht dem Land eine Administration bevor, die das Recht der Scharia streng durchsetzen möchte. Inwieweit die politische Dynamik sich auf die ohnehin schon katastrophale Kinderrechtslage im Land auswirkt, bleibt abzuwarten. 

Wir vom KRF setzen uns vor diesem Hintergrund mit Nachdruck dafür ein, dass die Wahrung der Kinderrechte in dem krisengebeutelten Land nach wie vor auf der Agenda bleibt und verfolgen das Geschehen aufmerksam. Während viele Nichtregierungsorganisationen aus Angst vor den Taliban ihre Arbeit in Afghanistan eingestellt haben, da diese beispielsweise gegen die talibanische Auslegung der Scharia verstößt (Schulische Bildung für Mädchen, demokratische Aufklärungsarbeit etc.), aber auch aus Sorge um Leib und Leben, haben einige NGOs angekündigt, trotz der Machtübernahme ihre Arbeit im Land fortzusetzen. Es ist sehr wichtig, dass die Arbeit mit und an den hilfsbedürftigen Menschen, besonders mit den Kindern, nicht dem Stillstand erliegt. Besonders jetzt muss kommuniziert werden, dass der Abzug weiterer NGOs die ohnehin schon katastrophale Lage der Kinderrechte im Land noch weiter verschärft. 

Quellen: 

Bayly, M. J. (2021) Imagining Afghanistan: the history and politics of imperial knowledge. 53 (1) p.165–173. 

Schetter, C. (2017) Kleine Geschichte Afghanistans. 4th edition. [Online]. München: C.H.Beck. 

Spanta, F. D. (2019) Umstrittene Regierungsführung in Afghanistan. Verlagsort nicht ermittelbar: transcript Verlag. 

Statista 2021, statista.com/statistik/daten/studie/753160/umfrage/kindersterblichkeit-in-afghanistan/ 

ÜBER DAS KRF

Das KRF ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Köln und setzt sich seit 2014 für die Verwirklichung von Kinderrechten ein. Der Fokus liegt dabei auf den Themen Demokratie, Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.  

Verfasserin

Arber Jasiqi / Manuela Nothhelfer

Fachbereich Lobbyarbeit  
Telefon: 0221/999871-17
E-Mail: projekte@kinderrechteforum.org