Position: Epstein Files: Kein Sex-Skandal, sondern ein strukturelles Verbrechen
11.02.2026 | Blog, Presse
Als KinderRechteForum sind wir erschüttert über das Ausmaß der in den sogenannten Epstein Files dokumentierten sexualisierten Gewalt gegen Kinder. Die Hinweise auf ein über Jahre geschütztes Missbrauchsnetzwerk offenbaren ein massives systemisches Versagen. Wir verurteilen jede Relativierung dieser Verbrechen und fordern lückenlose Aufklärung, konsequente strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen sowie den Schutz und die Einbeziehung der Betroffenen.
Die Epstein Files als Beleg für systemisches Versagen
Die Veröffentlichung der sogenannten „Epstein Files“ betrifft Hinweise auf ein Netzwerk organisierter Pädokriminalität. Im Zentrum stehen Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, Menschenhandel, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und sexueller Nötigung, bis hin zu dem Verdacht auf Folter und Mord. Die Dokumente zeigen, wie sozioökonomische und politische Macht genutzt werden, um Straflosigkeit zu sichern und Übergriffe zu verdecken - ein Versagen von Rechenschaftspflicht und Rechtsstaatlichkeit, das Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft offenlegt.
Relativierung schützt Täter
Wir verurteilen jede mediale oder politische Relativierung dieser Vorwürfe ausdrücklich. Eine Sprache, die Gewalt verschleiert, bagatellisiert oder sexualisiert, trägt dazu bei, Täter zu schützen und Betroffene erneut zum Schweigen zu bringen.
Es geht nicht um „Sexskandale“, nicht um einvernehmliche Beziehungen und nicht um voyeuristische Erzählungen über vermeintliche „Sexpartys“, sondern um den Verdacht eines professionell organisierten, global agierenden Missbrauchsrings, der über Jahre hinweg durch Macht, Geld und internationale Netzwerke geschützt wurde.
Strukturelle Gewalt verlangt strukturelle Antworten
Das KRF unterstützt ausdrücklich die Forderungen nach umfassender politischer, strafrechtlicher und international koordinierter Aufarbeitung. Transparenz, konsequente Ermittlungen und der Schutz der Betroffenen müssen dabei oberste Priorität haben. Dabei sollten die Zeugnisse der Betroffenen nicht vernachlässigt werden: Sie liefern wesentliche Einblicke, die für eine vollständige Aufklärung und Gerechtigkeit unerlässlich sind.
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist kein Randthema und kein individuelles Fehlverhalten, sondern ein strukturelles Verbrechen. Die Veröffentlichung der „Epstein Files“ macht die Abscheulichkeit und Tragik dieses Gewaltkomplexes in erschütternder Deutlichkeit sichtbar.
Im Mittelpunkt müssen die lückenlose Aufklärung im Sinne der Betroffenen, rechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen und eine mediale Aufarbeitung stehen, die Gewalt klar benennt und nicht relativiert. Wer verharmlost, sensationalisiert oder wegschaut, trägt zur Fortsetzung dieser Gewalt bei.
Über das KRF
Das KRF ist eine gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in Köln, die sich seit 2014 bundesweit für die Verwirklichung der Kinderrechte einsetzt. Herzstück der Arbeit ist die unabhängige Ombudsstelle für Kinderrechte, die jungen Menschen sowie ihren Familien und Bezugspersonen in ganz Deutschland bei Fragen, Beschwerden oder in Krisensituationen zur Seite steht.
Darüber hinaus basiert die Arbeit des KRF auf drei zentralen Säulen: individuelle Hilfe, politische Interessenvertretung (Lobbyarbeit) und die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements. Dabei stehen Digitalisierung, Demokratie, Gesellschaft und Nachhaltigkeit im Kontext von Kinderrechten stets im Vordergrund.
Seit Anfang 2020 ist das KRF gemäß §75 SGB VIII als Träger der freien Jugendhilfe öffentlich anerkannt und Mitglied im Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Seit Mitte 2025 verfügt das KRF außerdem über einen Konsultativstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) und bringt seine Erfahrungen damit auch in den internationalen Kinderrechtsdiskurs ein.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.kinderrechteforum.org
Kontakt:
Janet Kinnert
Fachbereichsleitung Kommunikation
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