Generationengerechtigkeit: Wer zahlt morgen für die Politik von heute?

18.02.2026 | Presse, Blog

Der Generationenvertrag lebt vom Vertrauen in die nachwachsenden Generationen. Doch im deutschen Staatshaushalt spiegelt sich dieses Vertrauen kaum wider. Kinder- und jugendspezifische Ausgaben spielen weiterhin eine untergeordnete Rolle. Generationenungerechtigkeit ist damit kein zufälliges Versäumnis, sondern strukturell verankert: Kinder und Jugendliche tragen die langfristigen Folgen politischer Entscheidungen, werden bei der aktuellen Ressourcenverteilung jedoch systematisch nachrangig behandelt.


Dieses Muster zeigt sich in zentralen Politikfeldern wie Bildung, mentaler Gesundheit, Sicherheitspolitik und politischer Teilhabe. Kurzfristige Stabilisierung bestehender Systeme und Interessen älterer Generationen hat Vorrang vor nachhaltigen Investitionen in die junge Generation. Verantwortung und Einfluss sind dabei klar ungleich verteilt:


Während Politik und Verwaltung langfristige finanzielle Verpflichtungen in Milliardenhöhe eingehen, deren Rückzahlung vor allem die junge Generation tragen wird, bleiben Ausgaben für Kinder und Jugendliche dauerhaft niedrig. Gleichzeitig verfügen sie über kaum institutionalisierte Möglichkeiten, politische Entscheidungen mitzugestalten.

Strukturelle Schieflagen politischer Prioritätensetzung

Besonders deutlich wird diese Schieflage bei altersspezifischen Bedarfen. Bildung, psychosoziale Versorgung und niedrigschwellige Beratungsangebote sind chronisch unterfinanziert oder werden auf unbestimmte Zeit vertagt. Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von eingeschränkter Lebensqualität betroffen, während Versorgungsstrukturen überlastet sind und Therapieplätze monatelang fehlen. Dass der Ausbau präventiver und niedrigschwelliger Angebote trotz klar belegter Bedarfe stockt, wirft grundlegende Fragen zur Prioritätensetzung und zur Konsistenz staatlicher Förderentscheidungen auf.

Generationenungerechtigkeit ist damit das Ergebnis politischer Entscheidungen.

Die empirische Evidenz ist eindeutig: Das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen erfordert politisches Handeln im Hier und Jetzt. Dennoch werden sie in politischen Entscheidungsprozessen häufig primär als Kostenfaktor betrachtet und nicht als eigenständige Träger von Rechten. Ohne einen grundlegenden Perspektivwechsel droht sich diese Ungleichbehandlung weiter zu verfestigen.

Kinderrechte sind eine zentrale Voraussetzung für langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität. Als Vertragsstaat der UN-Kinderrechtskonvention ist Deutschland verpflichtet, bei allen staatlichen Entscheidungen – ausdrücklich auch bei Haushalts- und Förderentscheidungen – das Kindeswohl vorrangig zu berücksichtigen.

Über das KRF 

Das KRF ist eine gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in Köln, die sich seit 2014 bundesweit für die Verwirklichung der Kinderrechte einsetzt. Herzstück der Arbeit ist die unabhängige Ombudsstelle für Kinderrechte, die jungen Menschen sowie ihren Familien und Bezugspersonen in ganz Deutschland bei Fragen, Beschwerden oder in Krisensituationen zur Seite steht.

Darüber hinaus basiert die Arbeit des KRF auf drei zentralen Säulen: individuelle Hilfe, politische Interessenvertretung (Lobbyarbeit) und die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements. Dabei stehen Digitalisierung, Demokratie, Gesellschaft und Nachhaltigkeit im Kontext von Kinderrechten stets im Vordergrund.

Seit Anfang 2020 ist das KRF gemäß §75 SGB VIII als Träger der freien Jugendhilfe öffentlich anerkannt und Mitglied im Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Seit Mitte 2025 verfügt das KRF außerdem über einen Konsultativstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) und bringt seine Erfahrungen damit auch in den internationalen Kinderrechtsdiskurs ein. 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.kinderrechteforum.org 

Kontakt: 

Janet Kinnert 
Fachbereichsleitung Kommunikation
Email: oeffentlichkeitsarbeit@k-r-f.org