Stellungnahme des KRF zu geplanten Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe

28.04.2026 | Presse

Das KinderRechteForum (KRF) weist die Vorschläge der geplanten Kürzungen innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe entschieden zurück:. Gemeint sind u. a. die Streichung von Integrationshilfen und Schulassistenz, die Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger über 16 in Erstaufnahmeeinrichtungen mit abgesenkten Standards sowie die Pauschalisierung von Leistungen statt individueller Bedarfsprüfung.

Diese Maßnahmen stellen aus Sicht des KRF fiskalische Effizienz über Kinderrechte, widersprechen der UN-Kinderrechtskonvention und bedeuten konkrete Rückschritte bei Schutz, Teilhabe und Förderung – verschärft durch ihre intransparente Entstehung ohne Beteiligung der Betroffenen.


Am 16.04. veröffentlichte der Paritätische Gesamtverband das Arbeitspapier „Effizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen“. Hinter diesem nüchtern-bürokratischen Titel verbirgt sich ein Vorhaben von erheblicher Tragweite: Das Dokument bündelt Vorschläge der Bundesregierung sowie einzelner Bundesländer und kommunaler Spitzenverbände, die auf tiefgreifende Einschnitte in der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe hinauslaufen.

Der sachliche Ton des Papiers steht in starkem Kontrast zu den möglichen Konsequenzen. Zahlreiche der vorgeschlagenen Maßnahmen bedeuten erhebliche Rückschritte für das Kindeswohl in Deutschland und nehmen potenzielle Verstöße gegen die UN-Kinderrechtskonvention in Kauf. Die Last dieser Einsparungen würde vor allem jene treffen, die ohnehin zu den verletzlichsten Mitgliedern unserer Gesellschaft gehören.

Besonders kritisch sind Vorschläge wie die vollständige Streichung von Mitteln für Integrationshelfer:innen und Schulassistent:innen an Schulen und Hochschulen, die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter über 16 Jahren in Erstaufnahmeeinrichtungen mit abgesenkten Standards, sowie die Pauschalierung von Leistungen anstelle einer am individuellen Bedarf orientierten Unterstützung. Diese Maßnahmen stehen im direkten Widerspruch zu den Grundwerten des KinderRechteForums (KRF) sowie den UN-Kinderrechten und laufen den Interessen der Betroffenen zuwider.

Darüber hinaus ist auch das Zustandekommen dieser Überlegungen äußerst problematisch. Dass derartige Pläne unter Ausschluss der Betroffenen, zivilgesellschaftlicher Organisationen und der breiten Öffentlichkeit entwickelt wurden, widerspricht grundlegenden demokratischen Prinzipien. Ebenso gravierend ist, dass das Papier keinerlei systematische Auseinandersetzung mit den möglichen Folgen der vorgeschlagenen Kürzungen enthält. Das ist ein Versäumnis, das das KRF scharf kritisiert.

Zweifellos ist die Kinder- und Jugendhilfe nicht frei von Mängeln und bietet Raum für Reformen. Diese müssen jedoch darauf ausgerichtet sein, die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern. Allerdings sind Reformen, die primär fiskalischen Zielen folgen und die Auswirkungen auf die Betroffenen ausblenden, nichts außer kurzsichtig. Sie führen langfristig nicht nur zu mehr individuellem Leid, sondern auch zu höheren gesellschaftlichen Kosten, da akute Hilfsmaßnahmen in der Regel deutlich kostenintensiver sind als präventive Ansätze, genau jene Maßnahmen, die durch die vorgeschlagenen Kürzungen gefährdet werden.

Wer in diesem Bereich kürzt, trifft keine neutralen Haushaltsentscheidungen, sondern bewusste Entscheidungen gegen Teilhabe, Schutz und Chancengleichheit. Eine solche Politik darf nicht unwidersprochen bleiben. Es braucht daher eine grundlegende Neubewertung der vorgeschlagenen Maßnahmen – unter Einbeziehung der Betroffenen und mit klarem Fokus auf langfristige gesellschaftliche Verantwortung statt kurzfristiger Einsparlogik.


Über das KRF 

Das KRF ist eine gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in Köln, die sich seit 2014 bundesweit für die Verwirklichung der Kinderrechte einsetzt. Herzstück der Arbeit ist die unabhängige Ombudsstelle für Kinderrechte, die jungen Menschen sowie ihren Familien und Bezugspersonen in ganz Deutschland bei Fragen, Beschwerden oder in Krisensituationen zur Seite steht.

Darüber hinaus basiert die Arbeit des KRF auf drei zentralen Säulen: individuelle Hilfe, politische Interessenvertretung (Lobbyarbeit) und die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements. Dabei stehen Digitalisierung, Demokratie, Gesellschaft und Nachhaltigkeit im Kontext von Kinderrechten stets im Vordergrund.

Seit Anfang 2020 ist das KRF gemäß §75 SGB VIII als Träger der freien Jugendhilfe öffentlich anerkannt und Mitglied im Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Seit Mitte 2025 verfügt das KRF außerdem über einen Konsultativstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) und bringt seine Erfahrungen damit auch in den internationalen Kinderrechtsdiskurs ein. 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.kinderrechteforum.org

Kontakt: 

Janet Kinnert
Fachbereichsleitung Kommunikation
Email: oeffentlichkeitsarbeit@k-r-f.org